La bande dessinée – franko-belgische Comics und mehr Comics, BD, Graphic Novels oder Mangas – es lebe die Neunte Kunst!

9. Juni 2012

Internationaler Comic-Salon Erlangen 2012 – Ein kurzer Besuch

Filed under: Allgemein — Schlagwörter: — Bruno @ 21:40

    Eine Reise ist zwar selten lustig oder schön, aber notwendig, wenn man zum Comic-Salon Erlangen möchte, aber nicht in der Gegend wohnt. Nachdem ich den Fronleichnam in dieser gastfreundlichen und comicophilen Stadt verbracht habe, erscheint mir ein Umzug dorthin sehr reizvoll.

    Eingang Comic Salon Erlangen 2012

    Eingang zum Comic-Mekka in der Heinrich Lades-Halle mit dem Boxer von Reinhard Kleist



    Nur den ersten Tag des Festivals dort zu verbringen, hinterlässt im Nachhinein den Eindruck, dass man nach der Abreise zwangsläufig das Beste verpasst. Viele Stände und Verlage bleiben unbesucht, Ausstellungen ungesehen, Vorträge ungehört, Comics ungekauft und auch das Panini-Sammelalbum zum Comic-Salon wird nicht mehr vervollständigt. Natürlich ist das Rahmenprogramm nicht darauf ausgelegt, dass man bei allen Veranstaltungen dabei sein oder jeden Autoren treffen kann. Die zwanzig Ausstellungen, die über die Stadt verteilt sind, bieten allein für vier Tage Beschäftigung.

    Ein außergewöhnlicher Schwerpunkt lag dieses Jahr auf Comics in der arabischsprachigen Welt. Die dazugehörige Ausstellungen konnte man mit ausleihbaren iPads besuchen, um Online-Informationen zu den Comics und Autoren abzurufen. Die ausgestellten Comic-Seiten blieben ansonsten leider ohne weitere Erläuterung und nur mit Arabisch- und Französischkenntnissen konnte man die Geschichten lesen.

    Am Donnerstagnachmittag fand eine erste Diskussionsrunde mit Autoren und Verlegern aus Jordanien, Algerien und Ägypten statt. Dabei wurde deutlich, dass Zensur bei der Veröffentlichung von Comics in jedem dieser Länder ein Thema ist, wenn auch unterschiedlich repressiv.

    Der Hauptgrund, den Salon zu besuchen, ist für mich aber immer der Kontakt zu den Zeichnern. Die Ärmsten können schließlich nicht fortlaufen, während sie ihre Comics signieren und so kann ich sie mit meinen Fragen, Lob oder ungerechtfertigter Kritik belästigen.

    Ponyhof- und Katzenfuttergeleespritzer-ComicsBesonders gefreut hat mich, dass ich dieses Jahr Sarah Burrini und Mario Bühling erwischt habe, deren Webcomics seit Monaten zu meiner wöchentlichen Pflichtlektüre gehören. Von Sarah Burrinis Blog „Das Leben ist kein Ponyhof“ ist eine Sammlung bei Zwerchfell in einem quadratischen Büchlein mit festem Einband erschienen. Für meinen Geschmack ein sehr schönes Format, das den Transport im überfüllten Rucksack aushält und sich zu Hause als sehr regaltauglich erweist. In dieser Reihe sind auch von Naomi Fearns „Zuckerfischen“ schon drei Bände erschienen. Mario Bühling hat es pünktlich zum Comic-Salon geschafft, ein zweites Heft mit Katzenfuttergeleespritzer-Strips im Eigenverlag zu produzieren. Hoffen wir, dass sich bald ein Verlag auf ihn stürzt, damit die Auflagenhöhe steigt und er nicht mehr selbst in Vorlage treten muss. Bis dahin freue ich mich über die ersten „Tales from the web“-Hefte, die mit Sicherheit bald zu begehrten Sammlerexemplaren werden. Falls ihr noch keine haben solltet – ich verkaufe nicht!

    Manuele Fior war ebenfalls wieder in Erlangen. Ihm war sogar eine eigene Ausstellung in der Neuen Galerie des Kunstvereins Erlangen gewidmet. Die „Sektionen mit sanftem Skalpell“ werden jedoch, wie die meisten anderen Ausstellungen auch, nach dem 10. Juni wieder verschwunden sein. Was Manuele Fior in wenigen Minuten mit einem schwarzen Stift und Buntstiften anstellt, ist eigentlich beeindruckender als die Liste von Preisen, die er gewonnen hat. Da der gebürtige Italiener fünf Jahre in Berlin gelebt hat und jetzt in Paris wohnt, kann man ihm seine Bewunderung dafür auch in mindestens drei Sprachen ausdrücken.

    Diese Meisterwerke schmücken nun meine Ausgaben von „Fräulein Else“ und „Fünftausend Kilometer pro Sekunde“:

    Fräulein Else von Manuele Fior5000 Kilometer pro Sekunde von Manuele Fior

    In zwei Jahren versuche ich, mir mehr Zeit für den Comic-Salon zu nehmen. Oder ich muss bis dahin nach Erlangen ziehen.

    24 Comments »

    No comments yet.

    RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

    Leave a comment

    Powered by WordPress